liposuktion bei lipödem

die liposuktion ist ein chirurgischer eingriff, bei dem das krankheitsbedingt vermehrte fettgewebe entfernt wird. in der regel müssen die betroffenen für eine behandlung mehrmals operiert werden. ob der eingriff ambulant oder stationär zu erfolgen hat, entscheidet der behandelnde arzt im einzelfall.

im unterschied zur konservativen therapie ist das ziel der liposuktion nicht die linderung der beschwerden, sondern die heilung der krankheit. damit ist sie der einzige existierende kurative therapieansatz.

I. ambulante liposuktion

01. ambulante liposuktion bei lipödem grad I & II

die ambulante liposuktion bei lipödem grad I & II ist keine leistung der gesetzlichen krankenversicherung, da sich der gemeinsame bundesausschuss noch nicht abschließend dazu geäußert hat. mit einer entscheidung ist bis 2022 zu rechnen, bis dahin gilt § 135 absatz 1 SGB V (sog. „verbot mit erlaubnisvorbehalt“).

02. ambulante liposuktion bei lipödem grad III

seit dem 1. januar 2020 können patientinnen, die unter einem lipödem grad III leiden, unter folgenden voraussetzungen zu lasten der gesetzlichen krankenversicherung ambulant behandelt werden:

• das lipödem wurde ärztlicherseits diagnostiziert

und

• die indikation für eine liposuktion wurde ärztlicherseits gestellt

und

• keine linderung der beschwerden im rahmen einer (vor indikationsstellung) durchgeführten sechsmonatigen konservativen therapie

und

• der body mass index liegt unter 40 punkten (bei einem body mass index zwischen 35 und 39,9 punkten muss sich die patientin aktuell wegen ihrer adipositas in behandlung befinden)

schließlich: nur ärzte und ärztinnen, die an der vertragsärztlichen versorgung teilnehmen, dürfen die liposuktion durchführen.

wenn sämtliche voraussetzungen vorliegen, ist die ambulante liposuktion bei lipödem grad III eine kassenleistung, die NICHT beantragt werden muss.

II. stationäre liposuktion

01. stationäre liposuktion bei lipödem grad I & II

die stationäre liposuktion bei lipödem grad I & II ist keine leistung der gesetzlichen krankenversicherung, da sie nicht den anforderungen an das gesetzlich normierte qualitätsgebot entspricht (bundessozialgericht, urteil vom 24. april 2018, az. B 1 KR 13/16 R).

02. stationäre liposuktion bei lipödem grad III

seit dem 1. januar 2020 können patientinnen, die unter einem lipödem grad III (oder höher) leiden, unter folgenden voraussetzungen zu lasten der gesetzlichen krankenversicherung stationär behandelt werden:

• das lipödem wurde ärztlicherseits diagnostiziert

und

• die indikation für eine liposuktion wurde ärztlicherseits gestellt

und

• keine linderung der beschwerden im rahmen einer (vor indikationsstellung) durchgeführten sechsmonatigen konservativen therapie

und

• der body mass index liegt unter 40 punkten (bei einem body mass index zwischen 35 und 39,9 punkten muss sich die patientin aktuell wegen ihrer adipositasin behandlung befinden)

schließlich: nur zugelassene krankenhäuser (§ 108 SGB V) dürfen die liposuktion durchführen.

wenn sämtliche voraussetzungen vorliegen, ist die stationäre liposuktion bei lipödem grad III eine kassenleistung, die NICHT beantragt werden muss.

III. kostenerstattung nach selbstbeschaffung

das gesetz ermöglicht es, hinsichtlich der begehrten liposuktion in vorleistung zu treten und die krankenkasse sodann auf erstattung der aufgewendeten kosten in anspruch zu nehmen.

wegen der erheblichen risiken (insb. im zusammenhang mit nicht zugelassenen leistungserbringern, mit fehlerhaften rechnungen und der nichteinhaltung des beschaffungsweges) wird an dieser stelle von einer selbstbeschaffung der leistung ausdrücklich abgeraten.